Wie du aus dem Projekt zur Giraffensprache eine neue Klassenkultur machst
Ich erinnere mich noch gut an die Mail einer Kollegin. Sie bedankte sich für das Material und erzählte mir begeistert, dass sie die Giraffensprache mit ihrer Klasse eingeführt hat. Die Kinder fanden es toll, das Projekt lief richtig gut. Nun, einige Monate nach der Einführung fragte ich nach, wie es läuft. Dies ist ein Auszug ihrer Antwort:
“Ich muss ehrlich sagen: Das Plakat hängt noch, aber sonst ist nicht mehr viel davon übrig. Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt und ich habe das Gefühl, wir müssen mit den Arbeitsheften vorankommen. Dann steht wieder ein Elternabend an, neue Förderpläne und gleich ist auch schon wieder Ostern. Und irgendwie wusste ich nach der Einführung auch nicht so genau, wie es weitergehen soll. Wann greife ich die Giraffensprache wieder auf? Wie baue ich das in den normalen Unterrichtsalltag ein, ohne dass es sich künstlich anfühlt? Und wenn gerade kein akuter Konflikt da ist, denke ich selbst auch nicht immer daran.”
Ich kenne das so gut! Wir führen etwas ein, es funktioniert…und dann kommt der Alltag zurück. Viele von diesen Dingen entpuppen sich dadurch auch als unwichtig, aber bei der Giraffensprache sieht es meiner Meinung nach anders aus. Jedenfalls hat mich diese Email dazu gebracht, mein Material zur Giraffen- und Wolfssprache komplett zu überarbeiten und zu erweitern.
Denn die eigentliche Frage ist nicht, wie man die Giraffensprache in der Grundschule einführt. Sondern wie wertschätzende Kommunikation zu einem echten Teil der Klassenkultur wird.
Reflexionen als Teil der neuen Klassenkultur
Eine neue Haltung entsteht nicht durch eine Unterrichtseinheit oder ein Projekt. Sie entsteht durch Wiederholung, durch echte Situationen und durch das regelmäßige Innehalten und Reflektieren. Was habe ich gebraucht? Was hat die andere Person gebraucht? Was ist wirklich passiert, ohne Bewertung?
Was mir dabei in meiner eigenen Klasse am meisten geholfen hat, sind regelmäßige Reflexionen. Nicht als Pflichtübung, sondern als natürlicher Teil des Schulalltags. In meinem Freiarbeitsbereich liegen Vorlagen für Selbstreflexionen, die die Kinder ganz selbstständig und zu jeder Zeit ausfüllen dürfen. Nach einem Konflikt, am Ende der Woche oder einfach dann, wenn ein Kind das Bedürfnis hat, innezuhalten. Es gibt keine Vorgaben, wann oder wie oft reflektiert wird, ich schaffe lediglich den Raum dafür. Und ich erlebe immer wieder, wie Kinder diese Möglichkeit annehmen.
Beispielsweise gibt es eine Reflexionsvorlage, die die Kinder gerne nach einem Konflikt zur Hand nehmen. Die Vorlage gibt ihnen die Möglichkeit, die Situation zu beschreiben und nicht zu bewerten. Es tut den Kindern gut, einmal alles aufzuschreiben, ganz für sich alleine, ohne unterbrochen zu werden. Sie notieren ihre Bedürfnisse (“Das war mir wichtig.” “Das habe ich gebraucht.”), Gefühle und Wünsche. Meistens hilft schon das Ausfüllen der Reflexion, manchmal gehen wir anschließend noch einmal gemeinsam mit den anderen Beteiligten ins Gespräch.

Weitere Reflexionskarten sind beispielsweise “Meine Gefühle”, “Ich bin stolz” oder “Wolfssprache?”
Dazu kommen Klassenreflexionen, bei denen wir gemeinsam reflektieren und schauen, wie es uns als Klasse gerade geht, was uns stärkt und was uns belastet. Diese Klassenreflexionen baue ich flexibel in den Schulalltag ein. Manchmal nehme ich einfach eine mit in den Sitzkreis, manchmal plane ich mehr Zeit ein, wenn ich das Gefühl habe, dass es die Klasse braucht.
Beides sind für mich unverzichtbare Bausteine des sozialen Lernens, die über das Projekt der Giraffensprache hinausgehen. Und weil die Giraffensprache nicht an der Klassentür enden sollte, gehört für mich auch die Einbindung der Eltern dazu. Wenn Kinder in der Schule eine neue Haltung in wertschätzender Kommunikation entwickeln, zu Hause aber eine ganz andere Sprache gesprochen wird, machen wir es ihnen unnötig schwer. Das neue Elternpaket gibt dir als Klassenleitung alles, was du brauchst, um Eltern auf diesem Weg mitzunehmen ohne großen Aufwand und ohne erhobenen Zeigefinger.
Wenn du das Material “Giraffen-und Wolfssprache” bei mir schon gekauft hast, findest du das aktualisierte und erweiterte Material jetzt in deinem Eduki-Downloadbereich. Wenn nicht, hier geht es zum Material.
Ich wünsche dir viel Erfolg auf dem Weg zu einer neuen, starken Klassengemeinschaft.
Deine Tatiana
P.S. Ich freue mich auch über dein Feedback oder Fragen per E-Mail. Hast du bereits Unterrichtsmaterial von mir gekauft und im Unterricht eingesetzt? Dann freue ich mich über deine Bewertung auf Eduki oder deine Verbesserungsvorschläge per E-Mail!
Häufige Fragen und Antworten
Warum reicht es nicht, die Giraffensprache einmal einzuführen?
Weil eine Einführung alleine noch keine Klassenkultur verändert. Das Projekt läuft, die Kinder sind begeistert und dann holt euch der Alltag ein. Dieses Muster kenne ich von vielen Kolleginnen. Die eigentliche Frage ist nicht, wie man die Giraffensprache einführt, sondern wie wertschätzende Kommunikation zu einem echten Teil der Klassenkultur wird. Und das gelingt nur durch Kontinuität. Regelmäßiges Aufgreifen, echte Situationen, gemeinsames Reflektieren. Nicht als Unterrichtsthema, sondern als selbstverständlicher Teil eures Schulalltags.
Wie schaffe ich es, die Giraffensprache langfristig im Unterricht zu verankern?
Der Schlüssel sind für mich Reflexionen. In meinem Freiarbeitsbereich liegen Vorlagen für Selbstreflexionen, die die Kinder ganz selbstständig und jederzeit ausfüllen dürfen. Zum Beispiel nach einem Konflikt, am Ende der Woche oder einfach dann, wenn sie das Bedürfnis haben, innezuhalten. Es gibt keine Vorgabe, wann oder wie oft reflektiert wird, ich schaffe lediglich den Raum dafür. Dazu kommen Klassenreflexionen, bei denen wir gemeinsam schauen: Wie geht es uns gerade? Was stärkt uns? Was belastet uns? Manchmal nehme ich eine Reflexion einfach mit in den Sitzkreis, manchmal plane ich mehr Zeit ein, wenn ich spüre, dass die Klasse es braucht. So bleibt die Giraffensprache lebendig, ohne dass es sich künstlich anfühlt.
In meinem Unterrichtsmaterial zur Giraffen- und Wolfssprache findest du neben dem Material zur Einführung deshalb zusätzlich Reflexionskarten und Vorlagen für Selbst- und Klassenreflexionen sowie ein Elternpaket, das dir hilft, auch die Eltern auf diesem Weg mitzunehmen.
Wie sieht eine Selbstreflexion nach einem Konflikt konkret aus?
Ich gebe den Kindern dazu eine Vorlage mit hilfreichen Reflexionsfragen. Sie beschreiben die Situation und zwar bewusst ohne Bewertung. Es tut ihnen gut, einmal alles aufzuschreiben, ganz für sich alleine, ohne unterbrochen zu werden. Sie notieren ihre Bedürfnisse, ihre Gefühle und ihre Wünsche. Meistens hilft schon das Ausfüllen allein. Manchmal gehen wir anschließend noch einmal gemeinsam mit den anderen Beteiligten ins Gespräch. Aber der erste Schritt, das stille Innehalten und Aufschreiben, ist oft schon der wichtigste.
Sollte ich die Eltern mit einbeziehen?
Unbedingt. Wenn Kinder in der Schule eine neue Haltung in wertschätzender Kommunikation entwickeln, zu Hause aber eine ganz andere Sprache gesprochen wird, machen wir es ihnen unnötig schwer. Das heißt nicht, dass du den Eltern vorschreiben sollst, wie sie zu Hause sprechen. Aber du kannst sie mitnehmen auf diesem Weg. Transparent, ohne erhobenen Zeigefinger und mit dem Angebot, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. In meinem Material gibt es dafür ein eigenes Elternpaket, das dir als Klassenleitung alles an die Hand gibt, was du brauchst.
Was kann ich tun, wenn die Giraffensprache allein nicht reicht?
Die Giraffensprache ist ein wunderbarer Baustein für die Stärkung der Klassengemeinschaft, aber manchmal stößt du trotzdem an Grenzen. Du hast die Einführung gemacht, die Kinder kennen die Giraffe und den Wolf, ihr reflektiert regelmäßig. Und trotzdem gibt es dieses eine Kind, das immer wieder ausrastet. Oder eine Dynamik in der Klasse, die du einfach nicht greifen kannst. Du fragst dich: Mache ich etwas falsch? Habe ich nicht genug investiert? Liegt es vielleicht doch an der Klasse?
Ich kenne dieses Gefühl. Die Giraffensprache ist kein Allheilmittel. Sie ist ein Werkzeug für Kommunikation. Aber wenn ein Kind immer wieder in alte Muster fällt, geht es oft um etwas Tieferes. Um ein Bedürfnis, das noch nicht gehört wurde. Um eine Geschichte, die das Kind mitbringt und die mit Sprache allein nicht aufgelöst werden kann. Dann braucht es den nächsten Schritt. Es braucht den Blick hinter das Verhalten. Nicht die Frage „Wie bringe ich dieses Kind dazu, aufzuhören?“, sondern „Was braucht dieses Kind gerade von mir?“
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