Unterrichtsstörungen – Warum ich keine “schwierigen“ Klassen habe
Es beginnt nicht mit Glück, sondern mit der Haltung
Seit fast fünfzehn Jahren unterrichte ich als Klassenlehrerin an Grundschulen und ich hatte noch nie eine schwierige Klasse oder mit permanenten Unterrichtsstörungen zu kämpfen. In Lehrerkonferenzen hörte ich darauf immer dieselben Sätze: „Du hast einfach Glück.“ Oder: „Du hast ja auch nur 24 Schüler.“ Oder: „Ich habe viel mehr Kinder mit Förderbedarf.“
Kann es wirklich sein, dass ich zehn Jahre lang jedes Mal bei der Klasseneinteilung Glück hatte?
Natürlich nicht. Aber ich habe mich lange nicht getraut, das laut zu sagen.
Dabei war ich sogar immer eine der Ersten, die sich meldeten, wenn ein „schwieriges“ Kind die Klasse wechseln sollte, wenn ein Kind mit Flüchtlingshintergrund und ohne Deutschkenntnisse aufgenommen werden sollte oder wenn bei der Einteilung einer neuen ersten Klasse die „problematischen“ Kinder verteilt werden mussten. Denn ich war und bin davon überzeugt: Es gibt keine schwierigen Kinder.
Kinder werden so, wie wir sie sehen
Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Stempel „schwieriges Kind“? Wenn ich genauer hinschaue, sehe ich immer dasselbe: Kinder, die lauter sind als andere. Kinder, die mehr nachfragen und hinterfragen. Kinder, die ihren eigenen Weg gehen wollen. Kinder, die mehr Bewegung brauchen. Kinder, die eine andere Sprache sprechen. Kinder, die sich nicht anpassen.
Viele Lehrerinnen und Lehrer tragen eine innere Norm mit sich, und alles, was davon abweicht, wird als Störung wahrgenommen. Dabei wünsche ich mir gar keine angepassten Kinder, die vergessen haben, wer sie sind. Ich wünsche mir mutige, neugierige Kinder. Und damit das gelingt, müssen wir allen Kindern zeigen, dass sie gut sind, wie sie sind und sie darin unterstützen, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, anstatt sie zu unterdrücken.

André Stern sagt: “Unsere Kinder werden so, wie wir sie sehen.“
Dieser Satz begleitet mich seit Jahren und kein Erlebnis hat ihn mir so eindrücklich bestätigt wie die Geschichte von Anton.
Anton hatte seit der Einschulung nur Probleme. Mit der Schule. Mit seiner Klassenlehrerin. Mit seinen Mitschülern. Er schlug, verweigerte das Lernen und beschimpfte seine Lehrerin. Als in einer Lehrerkonferenz davon berichtet wurde, bot ich an, ihn in meine Klasse (Jahrgangsmischung Klasse 1 und 2) aufzunehmen. Ich hatte in meiner Klasse mal wieder eine harmonische, liebevolle Klassengemeinschaft und fühlte mich dieser Aufgabe gewachsen.
Nachdem der Klassenwechsel von bürokratischer Seite vorbereitet war, ging ich zur Kollegin in den Unterricht und stellte mich Anton vor. Ich sagte ganz offen, was ich gehört hatte, erzählte von meiner Klasse und dass ich mir vorstellen kann, dass er bei uns in der Klasse ganz neu anfangen könnte. Er erzählte, wie unglücklich er in seiner Klasse ist und dass es immer Probleme gibt. Nach unserem Gespräch war er einverstanden, ab der kommenden Woche zu uns zu wechseln. Auch in meiner Klasse bereitete ich den Klassenwechsel vor.
Ich setzte mich mit den Kindern in den Sitzkreis und erzählte von Anton. Einige Kinder hatten bereits unangenehme Begegnungen mit Anton während der Hofpause. Sie erzählten, wie gemein er sein und dass er andere Kinder einfach so schlägt. Also hatten wir ein offenes Gespräch darüber, warum Menschen manchmal wütend und gewalttätig sind. Wir sprachen über ungehörte Bedürfnisse, Wut und Frustration. Und wir sprachen darüber, warum es in unserer Klasse so selten vorkommt. Wir sprachen über unsere Rezepte für ein friedliches Miteinander. Darüber, dass jedes Kind wertvoll ist. Darüber, dass wir unsere Gefühle wahrnehmen und teilen. Darüber, dass wir uns bei Konflikten Zeit nehmen, sie zu besprechen.
Ich machte den Kindern deutlich, dass wir alle gemeinsam, mit unserer positiven Haltung Anton dabei unterstützen können, dass es ihm bald besser geht, er Freunde findet und nicht mehr schlagen muss. Gemeinsam überlegten wir, wo unser neuer Schüler sitzen könnte. Wir malten Willkommenskarten, machten Platz im Schrank für eine weitere Dokumentenablage und beschrifteten eine Wäscheklammer mit seinem Namen.
Anton wurde also Teil unserer Klassengemeinschaft. Natürlich brauchte er einige Wochen, um sich zu öffnen und zu vertrauen. Natürlich ging es nicht ganz ohne Konflikte. Und ich begleitete diesen Prozess durch tägliche Gespräche und viel Geborgenheit. Ich unterstützte ihn dabei, Freunde zu finden und Teil unserer Klassengemeinschaft zu werden. Zum Beispiel frage ich in Klasse 1 und 2 vor jeder Hofpause: “Wer hat noch keinen Spielepartner für die Pause?”
Ich war sehr glücklich und hatte Vertrauen in eine gute Entwicklung, bis ich beim nächsten Elternabend auf die Probe gestellt wurde.

Diesen Elternabend werde ich nie vergessen. Er führte mir die Abgründe von Voreingenommenheit, Spaltung und Diskriminierung vor Augen. Eigentlich ging es um ganz andere Themen, als sich plötzlich eine Mutter zu Wort meldete und sagte, dass sie es unerhört findet, dass ich ohne die Einwilligung der Eltern, ein gewalttätiges Kind in die Klasse aufnehme. Der neue Schüler sei eine Gefahr für unsere Kinder und ich hätte die Eltern vorher um Erlaubnis fragen müssen.
Darüber hinaus forderte sie, den Klassenwechsel rückgängig zu machen. Dann schalten sich weitere Eltern ein, erzählen, dass Antons Eltern kriminell seien, dass er Kriegsspiele auf dem Computer spiele, dass er andere Kinder bedrohte und schlug. Es ging auch noch weiter in eine rassistische Richtung, sie können kein Deutsch, passen sich nicht an und so weiter. Ich war zunächst sprachlos und schockiert von dem geballten Hass, der mir hier entgegen schlug.
Als ich wieder Worte fand, machte ich zunächst klar, dass wir hier von einem sechsjährigen Kind sprechen und nicht von einem Gewaltverbrecher, denn so hörte es sich nach den Ausführungen der Eltern an. Ich machte auch deutlich, dass ich nicht die Erlaubnis der Eltern brauche, um pädagogische Entscheidungen zu treffen und dass ich mit meiner Entscheidung niemanden in Gefahr bringe. Und dann sprach ich darüber, was gesellschaftliche Verantwortung meiner Meinung nach ist. Sich gegenseitig unterstützen. Füreinander da sein. Zuhören und respektieren. Die eigenen Ressourcen dafür einsetzen, anderen zu helfen, die es schwerer haben.
Ich machte klar, dass ich mich als Vorbild für meine Schüler sehe und ihnen zeigen werde, wie man sich dieser Verantwortung stellt. Ich zeige meinen Schülern, wie man aus Vertrauen handelt und nicht aus Angst. Und dann erzählte ich den Eltern, was ich den Kindern erzählt habe, wie wir über unsere starke Klassengemeinschaft gesprochen haben und wie alle Kinder Anton mit offenen Armen empfangen haben.
Und letztlich wünschte ich mir von den Eltern, dies nicht mit ihrer Angst und den Vorurteilen zu zerstören und mir zu vertrauen. Im Raum war es nun ganz still. Nach dem Elternabend brach ich in Tränen aus, ich selbst hatte noch nie so einen Hass erlebt, wurde noch nie diskriminiert, aber an diesem Abend erfuhr ich, wie es sich anfühlt.
Noch am selben Abend bekam ich Anrufe und Mails von Eltern, die sich bedankten und mich in meiner Meinung bestärkten. Gleichzeitig entschuldigten sie sich, dass sie selbst nicht den Mut hatten, das vor allen auszusprechen.
Nach einigen Monaten ging es Anton richtig gut. Er fühlte sich wohl in unserer Klasse und es gab kaum noch Konflikte. Plötzlich machte ihm das Lernen Spaß. Er verfeinerte seine Handschrift, übte für Diktate und seine Interessen für Mathematik und die Natur kamen zum Vorschein. Er nahm an Rechenkonferenzen teil und erzählte, was er alles über Tiere und die Umwelt wusste. Kleine Präsentationen bestärkten sein Selbstbewusstsein und er setzte sich für die Klassengemeinschaft ein.
Was macht Klassen eigentlich „schwierig“?
Selbst wenn es nur eine Frage der Haltung ist und es wirklich keine “schwierigen” Schüler gibt, hörst du es im Lehrerzimmer und in jeder Konferenz. Die Gespräche über “nette” und “schwierige” Klassen. Du siehst Lehrpersonen, die mit den Augen rollen, wenn die Stunde in der 3b ansteht und die mitleidigen Blicke für Frau Müller, die ja schon wieder eine ganz “schwierige Klasse” hat. Aber was macht “schwierige” Klassen eigentlich konkret aus?
Häufig geht es um große Heterogenität, um riesige Leistungsunterschiede, viele verschiedene Muttersprachen, sehr unterschiedliche soziale Bedingungen. Man beschreibt äußere Umstände, wie die Klassenstärke oder die Anzahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf. In “schwierigen” Klassen gibt es viel Streit und wenig Zusammenhalt. Grüppchen, die sich abschotten. Eine Klasse, die noch kein “Wir” kennt und in der man das jeden Tag spürt.
Dies sind natürlich alles Umstände, die deine Arbeit beeinflussen, aber Klassengröße, Förderbedarf oder Heterogenität sind keine Indikatoren dafür, dass du eine „schwierige” Klasse hast oder haben wirst. Und wenn du etwas verändern möchtest, ist es ganz wichtig, dass du dich nicht als Opfer von äußeren Umständen siehst, sondern deine Haltung immer wieder hinterfragst. Ich schreibe das nicht, um jemandem die Schuld zu geben. Ich schreibe es, weil es bedeutet: Es liegt in unseren Händen. Und das ist doch eigentlich eine gute Nachricht.

Der erste und wichtigste Schritt ist deshalb denkbar einfach: Vorbild sein.
Ich bin nicht Polizistin oder Richterin, sondern Vorbild. Ich sehe mich als Teil der Klassengemeinschaft, als ein Mitglied auf Augenhöhe und nicht jemand, der von oben herab schaut. Dann merken die Kinder, dass sie angenommen und geliebt werden, wie sie sind. Es gibt niemanden, der ihnen sagt: “Ihr seid ein Problem.” oder “Ihr seid so nicht richtig.” Natürlich bedeutet es nicht, dass ich bei allem wegsehe, aber genauso wie ich, dürfen auch die Kinder Fehler machen, daraus lernen und Dinge wieder gut machen.
Wie du nie mehr eine „schwierige“ Klasse hast
Die Giraffensprache
Die Giraffen- und Wolfssprache ist ein zentraler Bestandteil für das Soziale Lernen in meiner Klasse und eine wertvolle Stütze für ein wertschätzendes, freundliches Miteinander.
Aber hier ist, was mir wirklich wichtig ist: Die Giraffensprache ist kein Projekt, das du einmal durchführst und dann wieder einpackst. Und sie ist auch keine sprachliche Übung, bei der Kinder lernen, die richtigen Worte zu sagen. Denn Kinder, gerade ältere, können mit den richtigen Worten auch manipulieren, wenn die innere Haltung nicht stimmt. Es geht also um Empathie. Um das echte Interesse daran, was hinter einem Konflikt steckt. Was braucht die andere Person gerade? Was brauche ich? Was ist wirklich passiert, ohne Bewertung?
Damit die Giraffensprache nicht nach der Einführungsphase wieder in Vergessenheit gerät, braucht es Kontinuität. Regelmäßige Selbst- und Klassenreflexionen helfen den Kindern, die eigene Haltung immer wieder zu überprüfen und der Klasse als Gemeinschaft einen Spiegel vorzuhalten. Wie geht es uns gerade? Was stärkt uns? Was belastet uns? Diese Fragen klingen einfach, aber sie sind sehr wichtig. Denn sie üben Kinder darin, das Miteinander als etwas zu begreifen, für das alle gemeinsam Verantwortung tragen. Wenn die Giraffensprache so gelebt wird, verändert sie nicht nur die Sprache, sondern die ganze Art, wie eine Klasse Konflikte und einander wahrnimmt. Unser Miteinander wird zum wichtigsten Gut. Etwas, das wir jeden Tag schützen und pflegen.
Für mich ist ein Projekt zur Giraffen-und Wolfssprache daher immer eine Art Auftakt. Die Basis für ein wertschätzendes Miteinander. Tatsächlich entwickelt sich daraus eine ganze Klassenkultur, die weit über die Sprache hinausgeht. Wir nähern uns unseren Gefühlen, reflektieren und meditieren gemeinsam und gestalten echte Verbindungen.
Du kennst die Giraffen- und Wolfssprache noch nicht?
Hier kurz das Wichtigste: Das Konzept basiert auf der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg und nutzt zwei Tiere als Bilder. Die Giraffe steht für eine Sprache, die Gefühle wahrnimmt, Bedürfnisse benennt und Bitten formuliert statt Vorwürfe. Der Wolf dagegen steht für eine Sprache aus Wut und Verschlossenheit, die andere verletzt und beschuldigt.
Je nach Klassenstufe nähern sich die Kinder den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation an: Beobachten ohne zu urteilen, Gefühle benennen, Bedürfnisse erkennen, eine konkrete Bitte formulieren.
Mehr dazu erfährst du in meinem Blogartikel „Giraffen- und Wolfssprache in der Grundschule“
Klassengemeinschaft im Fokus
Neben den Ritualen, die ich bereits in meinen anderen Blogartikeln immer wieder beschreibe, gibt es noch etwas, das ich hier besonders hervorheben möchte.
Gemeinsame Erlebnisse. Je mehr ihr als Klasse zusammen erlebt, desto mehr könnt ihr zusammenwachsen. Sei es bei Wanderungen durch Matsch und Regen, beim Hütten bauen im Wald, dem Opernbesuch in der Weihnachtszeit, bei dem sich die ganze Klasse ganz festlich kleidet, gemeinsame Feste oder Projekte. Eine Klasse, die gemeinsam “durch dick und dünn geht”, geht anders miteinander um als eine Klasse, die sich nur im Klassenraum begegnet.
Ein schönes Beispiel dafür, wie diese Gemeinschaft im Alltag sichtbar wird, ist die “Warme Dusche”. Ein Kind bekommt die warme Dusche und sitzt auf einem Stuhl in der Mitte. Die anderen Kinder melden sich, wenn sie etwas Nettes über dieses Kind sagen möchten. In den unteren Klassenstufen höre ich auch häufig Komplimente über Äußerlichkeiten, wie „Du hast schöne Locken.“ oder „Ich finde deine Hausschuhe total hübsch.“ oder sehr allgemeine Äußerungen, wie „Du bist nett.“ Aber je öfter wir es machen, desto tiefer und detaillierter können die Kinder ehrlich gemeinte Komplimente machen: „Ich finde es toll, dass du so schnell rennen kannst.“, „Ich mag dich, weil du so hilfsbereit bist.“ oder „Du bringst uns immer zum Lachen.“
Ich werde oft gefragt, ob es nicht Kinder gibt, bei denen der Klasse gar nichts einfällt oder ob manchmal auch Gemeinheiten fallen. Aber ich muss ehrlich sagen: Das habe ich noch nie erlebt. Wenn eine Klassengemeinschaft wächst, erleben die Kinder, dass jedes Kind wertvoll ist. Auch das Kind, das häufiger streitet oder manchmal die anderen ärgert. Sie erfahren, dass niemand grundsätzlich böse ist, sondern dass jeder Mensch liebenswürdige Seiten hat. Ob das an der Giraffensprache liegt oder an der Haltung im Allgemeinen, ich weiß es nicht genau. Aber Gemeinheiten habe ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört.
„Dafür habe ich keine Zeit“ und andere Vorbehalte
Ich kenne diesen Gedanken. Und ich höre ihn oft. „Das klingt alles schön, aber ich schaffe das doch gar nicht alles.“ Oder: „Ich bin ja gar nicht so viele Stunden in meiner Klasse, um das wirklich umzusetzen.“
Ich möchte dir dazu ein paar Dinge sagen.
#1 Einiges davon geht schneller, als du denkst, und vieles entwickelt sich mit der Zeit.
Du wirst nicht alles auf einmal umkrempeln, sondern Rituale Stück für Stück aufbauen und umsetzen. Auch wirst du anfangs vielleicht nur einmal im Monat ein besonderes Erlebnis für deine Klasse planen. Und wenn du die positiven Auswirkungen spürst, dich mehr und mehr aus den gewohnten Strukturen befreien. Du wirst sehen, wenn die Klassengemeinschaft wächst und die Kinder sich wohlfühlen, braucht es immer weniger Energie für Konflikte, Schlichtungen und das tägliche Wiederherstellen von Harmonie. Das Lernen wird einfacher und effizienter. Was du am Anfang investierst, bekommst du vielfach zurück.
Ich vertrete diese Haltung übrigens auch ganz offen in Lehrerkonferenzen und meiner Schulleitung gegenüber und stehe dazu, dass ich manche Lerninhalte vielleicht nicht schaffe oder bewusst weglasse. Aber ich sehe es als meine pädagogische Verantwortung, das Wohlbefinden der Kinder und die emotionale Gesundheit über das Erreichen von Lernzielen zu stellen.

#2 Viele dieser Rituale lassen sich so etablieren, dass sie auch ohne dich funktionieren.
Das Gefühlswetter machen meine Schüler jeden Morgen, auch wenn ich nicht in der ersten Stunde unterrichte. Dafür braucht es nur die Absprache mit den Kollegen, dass sie diesen Raum ermöglichen. Und wenn deine Kollegen sehen, welche Veränderungen die neue Klassenkultur mit sich bringt, werden sie dich sicherlich dabei unterstützen. Also auch wenn du nicht viele Stunden in deiner Klasse bist, wird die Haltung, die du etablierst, weiter wirken, selbst wenn du nicht im Raum bist.
#3 Dein Unterrichtsstil beeinflusst den Zeitfaktor erheblich.
Offenes Lernen schafft ganz neue Räume für soziales Lernen. Wenn Kinder nicht alle zur gleichen Zeit dasselbe tun müssen, entstehen natürliche Momente für Gespräche, gegenseitige Hilfe und echte Begegnungen. Kinder, die gerade soziale Fähigkeiten entwickeln müssen, bekommen im “normalen” Unterricht häufig nicht den Raum. Dann wird noch schnell vor der Hofpause das Unterrichtsverhalten reflektiert oder ein Belohnungssystem besprochen. Das stelle ich mir sehr stressig vor, für dich und die Kinder.
Wenn sich soziales Lernen und fachliches Lernen jedoch nicht länger gegenseitig im Weg stehen, entstehen diese Freiräume ganz natürlich. In meinem Freiarbeitsbereich liegen Vorlagen für Reflexionen, die die Kinder ganz selbstständig und zu jeder Zeit ausfüllen dürfen. In Arbeitsphasen gibt es keine Vorgaben zur Sozialform und die Kinder sind frei, ob sie Aufgaben lieber alleine, zu zweit oder mit einer Gruppe lösen.

Ich sage das nicht, um die Herausforderungen kleinzureden. Ich weiß, wie erschöpfend der Schulalltag sein kann und wie einfach es ist, den Rahmenbedingungen die Schuld daran zu geben. Aber ich erlebe es immer wieder: Wer anfängt, die Klassengemeinschaft bewusst zu gestalten, wer die eigene Haltung verändert, wer den Kindern zeigt, dass ihr Miteinander zählt, der hat irgendwann keine schwierige Klasse mehr. Nicht weil die Kinder einfacher geworden sind. Sondern weil sich der Blick verändert hat. Und damit alles andere auch.
Deine Tatiana
Wenn du jetzt denkst: Das klingt gut, aber wie fange ich konkret an? Dann habe ich etwas für dich.
In meinem Kurs „Nie wieder Unterrichtsstörungen“ begleite ich dich Schritt für Schritt dabei, Unterrichtsstörungen zu verstehen und anders darauf zu reagieren. Nicht mit neuen Systemen oder Belohnungstricks. Sondern mit einer Haltung, die wirklich etwas verändert.
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